Utrecht im Winter

Die Miffy-Metropole

Utrechts bekanntester Botschafter ist ein weißes Kaninchen! Überall in der Stadt begegnen wir ihm. Als Deko-Gegenstand, Schlüsselanhänger, Knuddeltier oder als Denkmal im Stadtraum! Und sogar als Ampelmännchen!

Miffy oder Nijntje?

Internationale Karriere machte das Kaninchen unter dem Namen Miffy. Geboren wurde es jedoch 1955 als Nijntje, eine Abkürzung für Konijntje, was zu Deutsch Kaninchen heißt. Damals erschien das erste von vielen Kinderbüchern mit dem Nijntje alias Miffy im Mittelpunkt. Generationen von Kindern sind mit den Geschichten groß geworden.

Nijntjes Schöpfer, der Kinderbuchautor Dick Bruna, wurde in Utrecht geboren. Das erklärt die enge Verbindung der Stadt mit Brunas berühmtestem Geschöpf.

Die Stadt hat dem Leben und Werk von Dick Bruna sogar ein eigenes Museum gewidmet. Das Haus gehört zu Utrechts Centraal Museum Foundation, was zeigt, wie ernst die Utrechter den Kult um Nijntje nehmen.

Grachten, Backsteinhäuser, Fiets (Fahrräder)

Also, wegen eines niedlichen Kaninchens sind wir nicht nach Utrecht gereist! Wir haben in der Nähe von Düsseldorf beruflich zu tun und nutzen das anschließende Wochenende für den Abstecher. Wenn man als Berliner schon mal so weit im Westen ist! So erleben wir zwei wunderbare Wintertage in einer charmanten Stadt mit schönen Grachten, gut erhaltener und lebendiger Altstadt, vielen Radlerinnen und Radlern. Fast wie in Amsterdam! 😉

In Amsterdams Schatten …

… lebt es sich ganz gut, haben wir den Eindruck. Overtourism, Massentourismus, der Amsterdam schwer plagt, ist hier kein Thema. Die Universitätsstadt pflegt ein lässiges unabhängiges Eigenleben. Wir Touristen spielen keine zentrale Rolle, zumindest nicht so früh im Jahr! Das genießen wir.

Und: In Utrecht sind die Hotel deutlich preiswerter als im rund 40 Kilometer entfernten Amsterdam.

Oudegracht

Wir wohnen mitten in der Altstadt. Unser erster Weg führt uns zu Oudegracht und Nieuwegracht, alter und neuer Gracht, den beiden wichtigsten Kanälen, die das gesamte historische Zentrum Utrechts durchziehen. Im frühen 12. Jahrhundert – Utrecht hatte gerade das Stadtrecht erhalten – wurde zunächst die Oudegracht angelegt. Als Schifffahrtsweg, um die Stadt zu versorgen.

Während der Arbeiten schüttete man die ausgegrabene Erde einfach am Ufer auf. So entstand eine „erste Etage“, wo bis heute die Straße verläuft.

Das Besondere: Die Kaianlagen im Parterre standen über Tunnel unter der Straße direkt mit den Kellern der Grachtenhäuser in Verbindung, den Werfkelders. So konnten die Waren direkt vom Schiff in die Häuser geschafft werden. Wie praktisch! Und weltweit einmalig!!

Längst sind in die ehemaligen Warenlager Cafés und Restaurants eingezogen. Die Gracht ist zu einer langgestreckten Terrasse geworden, wo die Utrechter in der warmen Jahreszeit ihren Drink mit Blick auf’s Wasser genießen können.

Schöner Shoppen

Beim Bummeln durch Utrechts Altstadt fällt uns positiv auf, wie individuell der Einzelhandel aufgestellt ist.

Wenig Ketten und Souvenirshops, dafür kleine feine Lädchen mit eigenem Angebot.

Utrecht gilt, so hören wir, als Mekka für Vintage-Shopper!

Ordentliche Käseläden dürfen nicht fehlen. Natürlich!

Domtoren

Das herausragende Wahrzeichen von Utrecht ist der Domturm, der Domtoren, mit 112 Metern der höchste Kirchturm der Niederlande.

Der Turm gehörte ursprünglich zur St. Martinskirche, die im 17. Jahrhundert durch einen Sturm zerstört wurde. Heute steht der Domturm allein da – wie ein italienischer Campanile. Ein beliebtes Ziel für Touristen, die in luftiger Höhe einen 360-Grad-Blick über die Stadt erleben.

Foto: © Utrecht Marketing, Pierre Banoori Photography

Sehenswert finden wir auch die Kathedrale mit ihrem schönen Innenhof.

Am späten Nachmittag an diesem Sonnabend erleben wir hier ein stimmungsvolles Orgelkonzert.

Dabei genießen wir den Blick in das Kirchengewölbe.

Museum Speelklok

Ganz besondere Klänge hören wir beim Bummel durch die Altstadt – eine große, kunterbunt bemalte Jahrmarktorgel spielt auf und lenkt uns um die Ecke. Zu einem originellen Museum, das den Vorläufern von Jukebox, Plattenspielern, MP3-Playern und Streamingdiensten gewidmet ist.

Das heiterste Museum der Niederlande

So bezeichnet sich das Spieluhrmuseum selbst. Ausgesprochen unterhaltsam und informativ ist das Museum Speelklok auf jeden Fall!

Die jahrhundertealten mechanischen Musikautomaten heben unweigerlich die Laune.

Sein beeindruckendes Zuhause hat das Museum in der Buurkerk gefunden, der größten und ältesten Pfarrkirche in Utrecht. Die zum Teil riesigen Spielorgeln benötigen viel Platz, den sie hier gefunden haben.

Wir schließen uns einer Führung an, was den Vorteil hat, dass wir die Instrumente nicht nur anschauen können, sondern ihre Musik live erleben dürfen.

Selbstspielende Musikinstrumente – das sind ausgeklügelte mechanische Meisterwerke. Solche Spielorgeln standen früher in Tanzhallen, Salons und Cafés – faszinierende Unterhaltungstechnik vergangener Zeiten.

Tanz- und Jahrmarktsorgeln gehören zu den größten Instrumenten im Museum Speelklok.

Was sie mit ihren Glocken, Orgelpfeifen und Trommeln aufführen, das steht auf einem Zylinder, einer Papierrolle, einer Metallplatte oder einem Buch aus Pappe.

Eine Feder muss aufgezogen werden oder ein Gewicht herabgelassen – das ist der Antrieb – und die Instrumente fangen an, zu spielen. Wie von Zauberhand! Die alte Mechanik funktioniert bis heute.

Die ersten mechanische Musikinstrumente wurden im 15. Jahrhundert entwickelt, lernen wir in der Ausstellung. Offenbar war die Sehnsucht nach Musik groß. Auch wenn man selbst kein Instrument spielte. Ein eigenes Orchester konnten sich logischerweise nur Fürsten und Könige leisten.

Und so zeigt das Museum auch die Vorläufer der Orgeln: Spieluhren aus verschiedenen Jahrhunderten. So erleben wir, wie sich die Technik über die Zeit entwickelte.

Fazit

Das ideale Ziel für einen Städte-Kurztrip!!!

Infos

  • Nijntje Museum
    Agnietenstraat 2, 3512 XB Utrecht,
    Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17.00 Uhr, Montag ist Ruhetag
    Tickets kosten 8 Euro
  • Museum Speelklok
    Steenweg 6, 3511 JP Utrecht
    Dienstag bis Sonntag von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Während der Schulferien ist auch montags geöffnet. Tickets kosten 14 Euro, ermäßigt 7,50 Euro.

Fotos: © Bettina Melzer, Shutterstock

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