Meisterwerke im Detail

Nur noch bis 3. März in Berlin

So nah werden wir dem niederländischen Meister nie wieder kommen! Kurz vor Ende dieser kleinen feinen Ausstellung haben wir es noch in die Berliner Gemäldegalerie geschafft. Wir erleben eine ganz besondere Begegnung mit den Werken des Jan van Eyck, der um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert die Kunst revolutionierte und als Begründer der altniederländischen Malerei gilt.

Eine interaktive digitale Präsentation lässt uns die winzigen Feinheiten dieser Meisterwerke wahrnehmen. Die Ausstellung präsentiert außerdem wundervolle Originale van Eycks aus den reichen Beständen des Hauses.  

Im Mittelpunkt steht eine digitale Projektion, die das Bozar – Centre for Fine Arts und das Royal Institute for Cultural Heritage in Brüssel entwickelt haben.

Madonna in der Kirche, um 1437/40 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie/Christoph Schmid

Meisterwerke im Detail

So „zoomen“ wir uns von der Gesamtansicht der Gemälde in Detailaufnahmen hinein und können den Bildausschnitt auch noch selbst auswählen, den wir näher betrachten wollen. Die Vergrößerungen zeigen winzige Einzelheiten in Wandgröße.

Wir können Augen, Münder, Hände, Bärte oder Bordüren unmittelbar miteinander verglichen und nachverfolgen: Von den Härchen oder Pupillen der Figuren, über Schmuck und Stickereien bis hin zu Garten- oder Architekturdetails – die feinsten Pinselstriche des Meisters werden sichtbar. Faszinierend! Wir bleiben fast eine Stunde lang „hängen“!

Grundlage für die Projektion sind extrem hochaufgelöste Fotos der 33 Gemälde, die von Jan van Eyck erhalten sind – und von seinen direkten Nachfolgern. Entstanden sind sie im Rahmen des Projekts Van Eyck Research in OpeN Access, kurz: VERONA.

Mann mit rotem Chaperon, um 1435/40 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie/Jörg P. Anders

Ausgewählte Originale

So nah dürfen wir Kunstwerken normalerweise nicht auf die Pelle rücken. Nirgendwo. In keinem Museum. Van Eycks wertvolle Originale wurden für die Ausstellung hinter Sicherheitsglas gepackt und mit Lupen ausgestattet. So können wir – unabhängig von der Projektion – ganz genau die Details der Bilder sehen.

Die Gemäldegalerie zeigt ihren Bestand an originalen Werken Jan van Eycks und seines Umfelds: Drei Gemälde, von der die Kunstfachwelt sagt, dass sie unstrittig von der Hand des Meisters stammen, wie die Kirchenmadonna. Andere Werke sind zumindest in seinem Atelier entstanden. Die Gemäldegalerie ist mächtig stolz auf diesen Schatz. Zurecht!

In der Werkstatt der Restauratoren

Ein drittes Kapitel der Ausstellung widmet sich den kunsttechnologischen Untersuchungen und der Restaurierung von drei der van Eyck’schen Werke der Gemäldegalerie. Seit 2015 wurden die Bilder systematisch unter die Lupe genommen – mit dem Ziel, einen wissenschaftlichen Bestandskatalog der niederländischen und französischen Malerei des 15. Jahrhunderts zu schaffen.

Die Restaurator*innen und Kunsthistoriker*innen, ein technischer Fotograf und ein Holzbiologe arbeiten in der Gemäldegalerie interdisziplinär zusammen. Die Ausstellung zeigt, wie akribisch und detailgenau das Team zu Werke geht.

Mann mit rotem Chaperon, um 1435/40 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie/Jörg P. Anders

Wer war Jan van Eyck?

Der Mann war nicht nur ein herausragender Künstler, sondern vor allem ein Pionier. Am Hof von Burgund begann seine Karriere im Jahre 1425, wo er sich unter der Patronage von Philipp dem Guten künstlerisch entfalten konnte. Van Eycks Einfluss reichte weit über die Grenzen des Hofes hinaus. Er knüpfte ein dichtes Netz an Kontakten, das ihm Auftraggeber im In- und Ausland bescherte.

Genter Altar

In den Jahren zwischen 1432 und 1435 schuf van Eyck sein Meisterwerk, den Genter Altar – eine Synthese aus Kunst und Spiritualität, die bis heute als eines der bedeutendsten Werke der flämischen Malerei gilt.

Genter Altar, Web Gallery of Art, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=109213

Das Besondere an van Eycks Stil war seine Fähigkeit, die natürliche Welt mit einer großen Realitätsnähe darzustellen. Seine Gemälde zeichnen sich durch eine detailreiche Präzision aus, die bis dato nördlich der Alpen unerreicht war.

Die naturalistische Darstellung legte den Grundstein für eine neue Ära in der Kunstgeschichte, die den Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit markierte.

Arnolfini Wedding, Web site of National Gallery, London, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11343084

Fazit

Hinter van Eycks Werken verbirgt sich mehr als nur malerisches Können. Seine Bilder sind reich an versteckten Symbolen und allegorischen Elementen. Ein malender Geschichtenerzähler, dessen Meisterwerke uns auch nach Jahrhunderten noch ergreifen. Zoom auf van Eyck führt uns das in ganz besonderem Maße vor Augen!

Info

Gemäldegalerie Berlin

Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
geöffnet von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
Tickets kosten 12, ermäßigt 6 Euro

So kommt man hin

U-Bahn: Potsdamer Platz
S-Bahn: Potsdamer Platz
Bus: Potsdamer Brücke, Potsdamer Platz Bhf / Voßstraße, Kulturforum, Philharmonie

Fotos © Bettina Melzer, Gemäldegalerie Berlin

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..