Mehr als Parties und Englisch-Kurse!
Was für ein Schatzkästlein! Malta, der kleinste Staat der Europäischen Union, hat eine Menge zu bieten: mehr als 6.000 Jahre Menschheitsgeschichte, beeindruckende Kirchen und Paläste, das Erbe von Phöniziern, Römern und Arabern, riesige Kreuzritterbastionen – dazu nette Menschen und kulinarische Überraschungen.
Geheimtipp für Kulturfreunde
1,5 Millionen Touristen kommen jährlich auf die Insel – die Mehrheit im Sommer, um Party zu feiern und um Englisch am Strand zu lernen. Unser Eindruck: Wer im Herbst oder Frühjahr kommt, ist Gast – und kein Touri! Und er kann Maltas reiche Kultur ganz in Ruhe genießen.

Wir erleben die Mittelmeerinsel im Frühling – sehr entspannt bei angenehmen Temperaturen. Warm und sonnig genug, um im Straßencafé zu sitzen, nicht zu heiß für ausgedehnte Entdeckungstouren über die Insel!

Und das Beste: Wir erleben die an sich sehr trockene Insel – es fallen nur rund 500 ml Regen pro Jahr – in voller Blüte!



Wohnen mit Blick auf die Hauptstadt
Eingecheckt haben wir in einem Hotel im Stadtteil Sliema, gegenüber der Altstadt von Valetta.

Täglich führt unser Weg über das Wasser – mit Blick auf die berühmte Skyline der Hauptstadt.

Wir nutzen für unsere Wasserwege die Stadtfähren, die zum öffentlichen Nahverkehr Maltas gehören. Der Trip dauert nur wenige Minuten. Eine empfehlenswerte Minikreuzfahrt! Für alle anderen Fahrten über die Insel steigen wir in einen der vielen Busse. Das Netz ist super ausgebaut, so kommen wir überall gut hin. Preiswert zudem.

Unsere Tage auf Malta beginnen wir mit einer Jogging-Runde, die uns entlang von Sliemas endloser Seepromenade bis nach San Ġiljan führt.

Maltas Hauptstadt Valletta
Auf einer Halbinsel, einem steilen Felsen, liegt Maltas lebendige Hauptstadt.

Ihren Namen verdankt sie ihm: Jean de la Valette, dem 49. Großmeister des Malteserordens, dessen Denkmal wir im Zentrum entdecken. Der Franzose legte 1566 den Grundstein für die künftige Hauptstadt.

Auf der Landzunge zwischen Grand Harbour und Marsamxett Harbour entstand bis 1571 die damals modernste Festung des Mittelmeeres. Uneinnehmbar. Bis Napoleon kam.

Dank Ihres kulturellen Reichtums eroberte sich Maltas Hauptstadt 1980 einen Platz auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Als Gesamtmonument! Heißt: Die ganze Stadt ist Weltkulturerbe!

Also steht seither jedes Gebäude in der Altstadt unter Denkmalschutz: Mehr als 300 historische Monumente besitzt Valletta. Welch ein Reichtum, welch ein äußert sehenswertes Erbe!

Markante Architektur
Weißgelb leuchtet der Kalkstein, aus dem nahezu alle Gebäude Maltas errichtet sind; farbige Holzbalkone, Fensterläden und Wintergärten sorgen für einen schönen Kontrast. Gemeinsam prägen sie das charaktervolle Stadtbild Vallettas.




Beliebte Filmkulisse
Dank seiner intakten Altstadtsträßchen und zahlreichen Monumente, seiner Paläste und Kirchen sowie vielfältigen Landschaften hat sich Malta hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem beliebten Drehort für internationale Filmproduktionen entwickelt.

Die Insel schlüpft ohne weiteres in verschiedendste „Rollen“ und gibt ebenso glaubwürdig Rom wie Tel Aviv, Troja oder Toulon. Auf Malta wurden Szenen von Steven Spielbergs Politthriller „München“ gedreht, „Gladiator“ mit Russell Crowe, „Game of Thrones“, die vierte Staffel von „Das Boot“ oder jüngst „Napoleon“ mit Joaquin Phoenix in der Titelrolle. Wer genau hinschaut, wird viele Orte auf Malta in Filmen wieder erkennen.

Britisches Erbe und mediterraner Lifestyle
Huch, was macht die denn hier? Ernst schaut Queen Victoria von ihrem Podest zu uns herunter. Die Marmorstatue auf ihrem Podest vor der Nationalbibliothek wirkt auf uns etwas „deplaziert“ – inmitten der Cafés und Restaurants, die vor mediterraner Lebensfreude bis spätnachts brummen.

Malta war bis zum 21. September 1964 britische Kronkolonie – 164 Jahre lang – und Queen Victoria das Staatsoberhaupt. Daher der Ehrenplatz für sie!

Die Briten haben Spuren hinterlassen: Englisch ist eine der beiden Landessprachen, gefahren wird links und ein paar rote Telefonhäuschen gibt es auch noch!

Malta ist übrigens das einzige europäische Land, in dem Arabisch gesprochen wird. Malti, die erste Amtssprache der Insel, ist ein semitischer Dialekt sowie weltweit die einzige semitische Sprache, die lateinische Buchstaben verwendet und viele Lehnwörter aus dem Englischen und Italienischen integriert hat.

So viele Kirchen wie Tage im Jahr
Malta gilt als das katholischste Land Europas, einst war die Insel DAS Bollwerk Roms im Mittelmeer.


Das ist nicht zu übersehen. In jedem Dorf steht eine riesige Kirche, in Valletta an jeder Ecke: Lauter kleine Dome.
Ein Taxifahrer erzählt uns, dass Malta 365 Kirchen besitzt, für jeden Tag des Jahres eine.
Wahrzeichen der Hauptstadt ist die mächtige Kuppel der Karmeliter-Kirche, der wir ständig auf unseren Wegen durch die Stadt begegnen.

St. John’s Co-Cathedral
Außen ist Vallettas Hauptkirche schlicht, zeigt kaum Schmuck. Nur die Uhren und das Malteserkreuz erzählen, wer hier Bauherr war. Der mächtigste Ritterorden der Christenheit hat sich im Zentrum der Stadt ein ganz besonderes Denkmal gesetzt.

Innen fallen uns fast die Augen aus dem Kopf, so geblendet sind wir von Pracht und Prunk, die hier entfaltet wurden. Ein Orgie des Barocks!

Jeder Quadratzentimeter ist mit Blattgold verkleidet. Oder mit kostbaren Gemälden.


Verdienten Malteserrittern wurden Denkmäler gesetzt, wie hier das Monument des Großmeisters Nicolas CoToner von Domenico Guidi in der Kapelle von Aragon.

Jede der acht landsmannschaftlichen Abteilungen des Ordens hat ihre eigene Kapelle: Kastilier und Aragonesen, Provençalen und Auvergner, Franzosen und Italiener, Engländer und Deutsche.

Der Boden ist mit kostbaren Grabplatten aus Marmor belegt. Unter jeder ruht ein Ordensritter.

Nur vier Jahre dauerte es, bis Kirche nach Plänen des Architekten Gerolamo Cassar stand – die Außenmauern jedenfalls. Fast 100 Jahre sollten noch vergehen, bis der prachtvolle Innenausbau vollendet war.

Wir verstehen nun warum: Hier wurde an nichts gespart, weder an kostbarem Material noch an filigraner Handwerkskunst.

St. John’s besitzt einen kunsthistorischen Schatz – das größte Gemälde, das der italienische Barockkünstler Caravaggio je gemalt und das einzige, das er signiert hat. Zu sehen ist die Enthauptung Johannes des Täufers, des Schutzpatrons der Malteserritter.

Bild: Michelangelo Merisi da Caravaggio – The Yorck Project, 10.000 Meisterwerke der Malerei
Ein maltesisches Juwel: Casa Rocca Piccola
Wir sind zu Gast beim maltesischen Hochadel. Die Casa Rocca Piccola ist ein zauberhaftes Stadtpalais im Herzen von Valletta, erbaut im 16. Jahrhundert für den Malteserritter Don Pietro La Rocca.

Heute wohnt hier der 9. Marchese de Piro mit seiner Familie. Auf unserem Rundgang begegnen wir ihm und erleben einen charmanten Herrn, der sichtlich stolz ist auf sein schönes Haus und zufrieden mit dem Zuspruch seiner Besucherinnen und Besucher. 50 Zimmer besitzt die Casa Rocca Piccola, etliche davon können wir besichtigen.

Wir werden durch Jahrhunderte Familiengeschichte geführt. Die Räume präsentieren persönliche Souvenirs, Sammlungen, Briefe und Fotografien. Ach schau an: Mit Meghan Markle, der Ehefrau des britischen Prinzen Harry, sind die de Piros offensichtlich auch bekannt!






Der Rundgang endet im hübschen Hofgarten. Wer will, kann hier sogar übernachten: Fünf Zimmer wurden für ein exklusives B&B eingerichtet. Hotelgäste führt der Marchese persönlich durchs Haus.

Die Casa Rocca Piccola haben wir nicht nur ein außergewöhnliches Privatmuseum erlebt, sondern zugleich ein lebendiges Zeugnis für die Geschichte und Kultur Maltas – erzählt entlang der Lebenslinien einer Familie.

Upper Barrakka Gardens
Durch dieses Tor betreten wir die Upper Barrakka Gardens, eine der wenigen grünen Oasen in Valletta, angelegt im 17. Jahrhundert auf den historischen Stadtmauern.

Hier genießen wir einen spektakulären Panoramablick auf den Grand Harbour.

Ein besonderes Highlight ist die „Noon Gun“, die täglich pünktlich um 12 Uhr mittags abgefeuert wird.

Der traditionelle Kanonenschuss erinnert an eine maritime Tradition: Nach der „Noon Gun“ wurden einst auf den Schiffen die Uhren gestellt. Das war enorm wichtig für die Navigation.

Fazit
Malta hat uns bezaubert. Mit ihrer überreichen Geschichte haben wir die Insel als Juwel im Mittelmeer erlebt. Unser Tipp: Unbedingt besuchen!

Infos
- Hotel 1926 Le Soleil
9 Thornton Street, Sliema, SLM 3143 - St. John’s Co-Cathedral
Triq San Gwann, Il-Belt Valletta, Malta
Montag bis Sonnabend, von 9 bis 16.45 Uhr (letzter Einlass um 16.15 Uhr), sonn- und feiertags geschlossen. Tickets kosten 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. - Casa Rocca Piccola
74 Republic St, Valletta, Malta
Montag bis Sonnabend von 10 bis 17 Uhr (letzter Einlass um 16 Uhr), sonn- und feiertags geschlossen. Tickets kosten 9,50 Euro.

Fotos: © Bettina Melzer, Shutterstock