Schlossgarten Berlin Charlottenburg

Ein goldener Herbstspaziergang!

Ein Sonntag in Berlin. Die Sonne lacht. Es ist ziemlich kalt. Und Corona hat dazu geführt, dass erneut alle Museen, Cafés und Restaurants der Stadt geschlossen sind. Was also Schönes unternehmen an diesem goldenen Novembertag? Wir fahren zum Schloss Charlottenburg und seinem herrlichen, weiläufigen Schlosspark. Der erste Barockgarten, der in Deutschland nach französischem Vorbild angelegt wurde, ist ein 55 Hektar großes, grünes Paradies mitten in der Stadt.

Ein Lustschloss für Sophie Charlotte

Was für ein Geschenk! 1695 bekam Sophie Charlotte von Hannover von ihrem Mann, dem preußischen Kurfürsten Friedrich III und späteren König Friedrich I, das Dorf Lietze geschenkt – und dazu noch ein großes Grundstück.

Sophie Charlotte ließ hier ruckzuck ein Sommerschloss errichten, das 1699 als Schloss Lietzenburg eingeweiht und ihr Hauptwohnsitz wurde. Nach dem frühen Tod der Königin, die mit nur 36 Jahren starb, gab der Gatte dem Schloss ihr zu Ehren den Namen Charlottenburg. An Friedrich I. erinnert eine Statue im „Vorgarten“.

Und auch Sophie Charlottes Enkel, Friedrich II, genannt der Große, blickt auf die bürgerlichen Spaziergänger*innen, die heute durch den Garten streifen.

Berlins bedeutendstes Gartendenkmal

Sophie Charlotte war eine weltoffene, gebildete Dame, die schon als kleines Mädchen mit ihrer Mutter Frankreich bereist hatte, wo sie die französische Gartenkunst kennen lernte. Für den Garten ihres Sommerschlosses engagierte sie mit Siméon Godeau einen Schüler des berühmten Versailler Hofgärtners André Le Nôtre. Offenbar die richtige Entscheidung, denn Godeau schuf vor den Toren Berlins den damals modernsten Garten im deutschsprachigen Raum. Bis heute ist er das bedeutendste Gartendenkmal der Hauptstadt.

Wie gewaltig die Anlage ist, zeigt der Blick von oben. Dabei sehen wir auf dem Foto der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten „nur“ das Parterre, die Barockanlage direkt hinter dem Schloss, die etwa ein Drittel des Parks ausmacht. Links gut zu erkennen ist die Spree, die Charlottenburg mit Berlins Stadtmitte verbindet.

(c) Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Fotograf: Jürgen Hohmuth

Sophie Charlotte nutzte am liebsten den bequemen und ruhigen Wasserweg, um vom Berliner Stadtschloss nach Charlottenburg zu ihrer Residenz zu reisen. Heute können wir die gleiche Fahrt während der Sommersaison unternehmen – natürlich etwas bescheidener mit den Ausflugsbooten der Berliner Fahrgastschifffahrt.

Illustre Gäste

In ihrem schönen Garten richtete die Kurfürstin und spätere preußische Königin glanzvolle Feste aus. Dichter, Philosophen, Musiker und Künstler gingen an „Charlottes Musenhof“ ein und aus.

Ein häufiger Gast in Lietzenburg war der Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, den Sophie Charlotte als Gesprächspartner und Freund schätzte – und umgekehrt. Wer weiß, vielleicht sprachen die beiden bei ihren Spaziergängen durch den Garten über die Idee einer „Kurfürstlich Brandenburgischen Societät der Wissenschaften“ – 1701 wurde sie gegründet – , deren erster Präsident Leibniz wurde.

300 Jahre Gartengeschichte

Jeder Schritt durch den Schlossgarten führt uns durch 300 Jahre Geschichte des Gartenbaus – von der Barockanlage bis zum englischen Landschaftsgarten. Wir gehen zuerst zur Ostseite des Schlosses, wo eine entzückende kleine Villa steht, die Berlin bedeutendster Baumeister des 19. Jahrhunderts Karl Friedrich Schinkel entworfen hat. Und davor ist gerade eine botanische Rarität zu bewundern.

Seltene Blüte

Die Agave blüht! Das kommt extrem selten vor. Die Pflanze benötigt dafür 40 bis 100 Jahre – wenn sie überhaupt zur Blüte gelangt. Ihr englischer Name lautet daher „century plant“, Jahrhundertpflanze.

Der Blütenstand der Charlottenburger Agave ragt etwa neun Meter in den Himmel. Im Sommer hat sie ihre prächtigen Blüten präsentiert. Nun geht es auf das Ende. Mit der aufwändigen Blüte verbraucht die Pflanze all ihre Energie – und stirbt ab.

Die letzte Blüte fand vor zwei Jahren statt, die vorletzte wurde im Jahr 1838 dokumentiert!

Belvedere

Wir folgen etwa 800 Meter dem Spreeufer bis zum hübschen Gartenschlösschen Belvedere, das sich König Friedrich Wilhelm II als Rückzugsort erbauen ließ – von Carl Gotthard Langhans, dem Architekten des Brandenburger Tors. 1788 war das.

(c) SPSG, Schlossgarten Charlottenburg, Belvedere Foto: Leo Seidel

Heute kann der Besucher hier die umfangreiche Sammlung der Königlichen Porzellan-Manufaktur KPM bewundern, wenn nicht – wie jetzt – Corona bedingt geschlossen ist.

Romantischer Karpfenteich

Weiter geht unser Spaziergang Richtung Westen, am sogeannten Karpfenteich vorbei, der einen der schönsten und romantischsten Blicke Richtung Schloss bietet.

Rechts des Weges grast eine kleine Schafsherde – puschelige Biorasenmäher!

Ein Tempel für die Ewigkeit

Im nordwestlichen Teil des Gartens schauen wir bei Königin Luise vorbei, der früh verstorbenen Ehefrau Friedrich Willhelms III, die als erste „Königin der Herzen“ in die Geschichte einging. Der trauernde Witwer ließ ihr im Park ein Mausoleum errichten. In Form eines kleinen, antiken Tempels. Bis heute pilgern Köngin-Luise-Fans hierher.

Unsere Runde durch den Schlossgarten endet vor dem Alten Schloss, …

… wo wir dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten zuwinken und uns für heute verabschieden.

Fazit

Der Charlottenburger Schlossgarten ist immer einen Gang wert. Zu jeder Jahres- und Tageszeit zeigt er sich in anderem Kleid und immer wieder überraschenden Lichtstimmungen. Das nächste Mal kommen wir im Frühling vorbei.

Info: Preußische Schlösser und Gärten, Visitberlin

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