Berlin: Haus des Rundfunks

Eine Architektur-Ikone wird 90!

Auf meinen Wegen durch Berlin fahre ich besonders gern über die Masurenallee Richtung Westen. Am Ende der Kantstraße kommt links der Funkturm in den Blick und dann rechts – direkt gegenüber dem Messegelände – das wundervolle Haus des Rundfunks. Strenge Linien, dunkler Backstein, viel Glas, eine markante Silhouette – mein Blick auf die Architektur-Ikone der Neuen Sachlichkeit hängt immer wieder an neuen Details fest. Was für ein irre schöner Zweckbau!

Haus des Rundfunks (HdR) in Berlin. © rbb/Gundula Krause

Monument für ein neues Medium

Es war ein Meilenstein in der Geschichte des Rundfunks: Am 22. Januar 1931 wurde das Haus des Rundfunks in Berlin-Charlottenburg eingeweiht – nach nur 19 Monaten Bauzeit. Der massive Ziegelbau in Form eines Dreiecks wurde eigens für den Zweck konzipiert, Rundfunksignale zu übetragen. Nach München war es das zweite Gebäude seiner Art und ist bis heute europaweit einzigartig. Mit dem Haus des Rundfunks nahm das junge Medium Radio Fahrt auf. Eine neue Medienära begann.

Das Haus des Rundfunks an der Masurenallee in Berlin © rbb/Hanna Lippmann

Architekt der Moderne

Er war der Schöpfer des neuen Funkhauses: Hans Poelzig, 1869 in Berlin geboren. Der Architekt wurde durch seine Hinwendung zur expressionistischen Architektur und der Neuen Sachlichkeit bekannt, als deren wichtigster Vertreter er bis heute gilt. Seit 1923 wirkte er als Professor für an der Technischen Hochschule und als Vorsitzender prägte er den Deutschen Werkbund maßgeblich. Zu seinen bekannten Werken zählen das Berliner Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz und die heutige Goethe-Universität Frankfurt, damals Verwaltungsgebäude der I. G. Farben.

Innenleben

Das Innendesign des Gebäudes ist ausgsprochen sehenswert. Hinter dem Eingang öffnet sich ein Lichthof, der mich durch seine Höhe, seine Farben und klaren Linien beeindruckt. Die helle Glasdecke des Oberlichts flutet das Foyer mit Tageslicht.

Blick in den Lichthof © rbb/Hanna Lippmann

Von der Decke hängen große Lampen, die Marlene Moeschke-Poelzig entworfen hatte. Die Architektin und Bildhauerin war die zweite Ehefrau von Hans Poelzig. Das Innendesign des HdR ist vor allem ihr Werk.

Laternen im Lichthof © rbb/Hanna Lippmann

Das Haus des Rundfunks besitzt drei große Sendesäle in seinem Inneren, außerdem mehr als zehn Aufnahmestudios sowie Proben- und Schalträume. Eine Hommage an den guten Klang – die großartige Akustik begeistert bis heute das Publikum!

Im Großen Sendesaal: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik © rbb/Simon Detel

Ein öffentliches Haus

Wir Berliner*innen und Gäste der Stadt sind als Konzertbesucher willkommen. Es sei denn, Corona legt den Kulturbetrieb lahm. So spielen das Deutsche Symphonie-Orchester und das Rundfunk-Sinfonie-Orchester regelmäßig im Großen Sendesaal, wo 900 Musikfreunde Platz finden.

Der Große Sendesaal nach seiner Renovierung 2007 © rbb/Hanna Lippmann

Der Sendesaal ist heute noch im Look der 50er gestaltet. Er besitzt sogar ein eigenes Fundament, so dass Schwingungen aus dem Gebäude nicht übertragen werden. Daneben steht der Kleine Sendesaal mit seinen 150 Sitzplätzen für Konzerte hoffentlich bald wieder offen.

Kinderkonzert mit Kent Nagano und dem DSO © rbb/Thomas Ernst

Podcast über die Geschichte des HdR

Weimarer Demokratie, Nazi Diktatur, russische Besatzung, Sender Freies Berlin, Rundfunk Berlin Brandenburg – das Haus des Rundfunks hat in seinen 90 Jahren viel erlebt. In fünf Podcast-Folgen erzählt Autor Wolfgang Bauernfeind die Chronik des Hauses. Die Feature-Serie gibt es zum Hören und zum Download bei rbbKultur.

Fernsehzentrum und Haus des Rundfunks Fernsehzentrum und das Haus des Rundfunks des rbb © rbb/Gundula Krause

Führungen

Ein Tipp für Fans der Neuen Sachlichkeit. Der Rundfunk Berlin Brandenburg organisiert geführte Touren durch das Haus des Rundfunks, die nach Corona wieder aufgenommen werden. Anmeldungen nimmt dann der Besucherservice an. Bis dahin führt Laura virtuell durchs Haus.

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