Elsass: Musée Lalique (+ Video)

Große Glas- und Juwelierskunst von René Lalique

Meine Mutter, die in Mannheim lebt, feiert einen runden Geburtstag. Das Wetter ist herrlich. Wir beschließen, einen Ausflug in die Nordvogesen zu unternehmen. Wir wollen nach Wingen-sur-Moder, etwa zwei Stunden von Mannheim entfernt. Eine schöne Landpartie über die Südpfalz und Weißenburg an der deutsch-französischen Grenze bis in den Regionalen Naturpark Nordvogesen.

Bild von Herbert Bieser auf Pixabay

Unser Ziel ist das wunderbare Lalique-Museum, das dem Leben und Werk des genialen Schmuck- und Glaskünstlers René Lalique gewidmet ist. Hier, in Wingen-sur-Moder, gründete Lalique Anfang der 1920er eine Glasmanufaktur und ließ sich mit seiner Familie nieder. Seit meiner Jugend bin ich ein großer Fan des fantasiesprühenden Designers und erfolgreichen Luxusunternehmers! Es wird also höchste Zeit, ihn zu besuchen!

Meister des Jugendstils und des Art Déco

Das Museum folgt der Biografie René Laliques (1860-1945), der zu den bedeutendsten Vertretern des Jugendstils und des Art Décos zählt. Auch als Wegbereiter der modernen Goldschmiedekunst wird er gerühmt. Seine Karriere begann René Lalique, der aus der Champagne stammte, in Paris. Als Zeichner und Designer für große Juweliershäuser wie Cartier oder Boucheron.

(c) Lalique SA

1885 übernahm René Lalique eine Goldschmiedewerkstatt, gründete er sein eigenes Atelier, wurde Unternehmer und konnte endlich seine Vorstellung von zeitgemäßem Schmuck gestalten. Er entwickelte eine ganz neue und unkonventionelle Formensprache.

(c) Musée Lalique

Beim Material beschränkte sich der Künstler nicht nur auf Edelsteine, Gold, Platin und Silber, sondern er kombinierte gern das Edle mit dem Profanen. Und so arbeitete er auch mit Email, Elfenbein, Horn, Halbedelsteinen, ganz gewöhnlichen Steinen und Glas.

Für seine Motive ließ er sich von Tieren und Pflanzen inspirieren.

(c) Musée Lalique

Mit seinen Arbeiten war Lalique auf den großen Ausstellungen und Messen seiner Zeit präsent; seine Schmuckstücke gewannen wichtige Preise und prominente Kundinnen wie die Schauspielerin Sarah Bernhardt, für die er auch den Bühnenschmuck entwarf.

(c) Lalique SA

Erfolg mit Glas

Ab 1908 wandte sich René Lalique verstärkt der Glaskunst zu und fertigte für den damals berühmten Parfümeur François Coty erstmals Flakons, die bis heute ein Markenzeichen des Hauses sind.

(c) Lalique SA

Wenige Jahre später konzentrierte sich René Lalique ganz auf den Werkstoff Glas.

(c) Musée Lalique

René Lalique im Elsass

1921 zog es René Lalique ins Elsass. Wingen-sur-Moder war eine traditionelle Glasbläserstadt – der perfekte Standort für seine Manufaktur, die bis zum heutigen Tag Produktionsstandort der „Cristallerie Lalique“ ist.

Laliques Firma fertigte Gebrauchsglas, Lampen, Vasen, Kirchenfenster, Skulpturen und vieles mehr.

Ob Orientexpress, Pullmanzüge, große Passagierschiffe, öffentliche Bauten, Kaufhäuser oder Kirchen – Lalique stattete sie aus. Sein Unternehmen entwarf sogar Kühlerfiguren für die Automarken Citroën, Bentley, Bugatti, Hispano-Suiza oder Rolls-Royce.

Laliques Vasen, Flakons, Glasfiguren und Schmuckstücke waren (und sind) weltweit begehrt. Kaum zu glauben, dass die Firma Mitte der Nuller-Jahre fast pleite war. Ein Schweizer Investor brachte ab 2008 die Wende.

Neues Museum am alten Standort

Im Juli 2011 eröffnete das Lalique-Museum am Standort der ehemaligen Glashütte Hochberg seine Tore. Der Architekt Jean-Michel Wilmotte entwarf den modernen Teil des Gebäudes. Sehr gelungen, wie ich finde, weil sich der gesamte Komplex harmonisch in die raue Landschaft der Nordvogesen einfügt.

(c) Musée Lalique

Das Haus präsentiert mehr als 650 Kunstobjekte, die die künstlerische Karriere von René Lalique nachzeichnen: Schmuckstücke, Zeichnungen, Parfümflakons, Gegenstände aus der Tafelkultur, Kronleuchter, Vasen und Figuren.

Die Präsentation hat mich beeindruckt: Die Räume sind dunkel gehalten. Das Licht konzentriert sich ganz auf die Objekte in den Vitrinen, was ihnen eine magische Aura verleiht.

(c) Musée Lalique

Großformatige Fotos und Videos vermitteln uns die Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts. So betreten wir virtuell Laliques Stand auf der Weltausstellung 1900, oder wir sehen uns auf der „Exposition des Arts décoratifs et industriels modernes“ im Jahr 1925 um. Die Manufaktur steht „normalen“ Besuchern leider nicht offen. Jedoch dokumentiert ein sehr schöner Imagefilm am Ende der Ausstellung, wie die Glaskünstler arbeiten.

Das Museum besitzt in einem Nebengebäude ein Restaurant, das frische und moderne elsässische Küche zu moderaten Preisen anbietet. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und das Essen genossen.

Fazit

Das Musée Lalique ist eine großartige Hommage an einen genialen Künstler und Unternehmer – und dessen Nachfolger sowie an die Menschen, die noch heute die heute die Kunst des Glasmachens beherrschen. Sehr sehenswert, unterhaltsam und informativ.

(c) Musée Lalique

Tipp

Genussreisende mit gut gefülltem Bankkonto haben seit einigen Jahren die Möglichkeit, in Laliques ehemaliger Villa zu übernachten. Das Haus wurde in ein elegantes Boutique-Hotel umgebaut, zu dem ein Gourmetrestaurant gehört, das zwei Michelin-Sterne schmücken.

Infos

Adresse

Musée Lalique
Rue du Hochberg
67290 Wingen-sur-Moder

2 Gedanken zu “Elsass: Musée Lalique (+ Video)

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