Puerto de la Cruz: Botanischer Garten

Ein himmlisches Gartenparadies auf Erden!

Die Pforte zum Garten Eden öffnet sich im Stadtteil „La Paz“ (Frieden) der alten Hafenstadt Puerto de la Cruz auf Teneriffa. Als wir am späten Nachmittag unser Ticket kaufen, zeigt das Thermometer 30 Grad. Es ist schwül heiß. Doch kaum betreten wir den „Jardín de Aclimatación de la Orotava“ (JAO) – wie der Botanische Garten der Stadt offiziell heißt – haben wir den Eindruck, durch eine grüne Klimaanlage zu spazieren. Riesige Palmen, Ficusbäume und Würgefeigen spenden Schatten, Brunnen plätschern, das Licht flirrt, eine leichte Brise kühlt uns die Stirn. Und welcher Frieden hier herrscht!!! Herrlich!

Pflanzenpracht aus aller Welt 

Pflanzen aller Kontinente wachsen einträchtig nebeneinander – sie eint ihr Behagen an den klimatischen Bedingungen, die ihnen der Norden Teneriffas bietet. Sie fühlen sich sauwohl!

Mehr als 5.000 Arten sollen hier versammelt sein, auf einer Fläche von rund 20.000 Quadratmentern. Nachgezählt haben wir allerdings nicht! 😉

Uns begeistern die vielen, sehr unterschiedlichen Blüten, wie diese „Calliandra haematocephala“. Die Pflanze sieht aus, wie sie zu deutsch heißt: Roter Puderquastenstrauch. Bienen fühlen sich in der Puschelblüte sichtlich wohl.

Keine Ahnung, auf welchen Namen dieses Gartengeschöpf hört – es sieht jedenfalls sehr spannend aus. Wie ein Urzeitviech!

Berühmt ist der JAO für seine Bromeliensammlung. Mehr als 200 Arten sollen es sein, die hier wachsen und ihre interessanten Blüten präsentieren.

Tropische und subtropische Pflanzen in allen Formen und kräftigen Farben, dazu die unterschiedlichsten Düfte: Dieser Garten feiert täglich ein Fest für die Sinne!

Besonders attraktiv finden wir die Blüten des Muschelingwers, der ursprünglich aus Südostasien stammt und im „Jardín Botánico“ zu den „Starletts“ zählt.

Superstar und Publikumsliebling ist die mächtige, 200 Jahre alte Würgefeige im Zentrum des Gartens: Ihre Luftwurzeln wachsen von den Ästen ihres Wirtsbaums herab, sie verankern sich im Boden und formen starke Säulen, die der Pflanze und ihrem Gastgeber eine besondere „Architektur“ verleihen – wir fühlen uns ein wenig an Antoni Gaudís ikonische Kathedrale „Sagrada Familia“ in Barcelona erinnert.

Geschichte

Auf unserem Weg durch den „Jardín Botánico“ begegnen wir diesem interessanten, schönen Mann. Die Büste ist ein Porträt von Don Alonso de Nava y Grimón, dem VI. Marqués Villanueva del Prado – was für ein Name! Der Marqués lebte von 1757 bis 1832 und war der erste Direktor des Gartens.

Gegründet wurde der „Jardín“ 1788 auf Wunsch des spanischen Königs Karl III, um „einen Ort zu haben, an dem die interessantesten Pflanzen, die es in den Kolonien der Philippinen und Amerikas gibt, angepflanzt werden können, um sie an kühlere Bedingungen zu gewöhnen, damit sie nach Madrid und in die königlichen Gärten von Aranjuez gebracht werden können“, so der König in seinem Erlass.

Aha! Also daher der Name „Jardín de Aclimatación“! Der Garten wurde ins Leben gerufen, damit sich die Gewächse aus aller Welt in ihm aklimatisieren können. Für Teneriffa mit seinem ganzjährig milden Klima hat das funktioniert, für Zentralspanien, wo es im Winter lausig kalt sein kann, eher nicht.

Karl III. starb kurz nach seinem Dekret. Dennoch wurde das Gartenprojekt nicht mit ihm begraben, und so konnte der Marqués 1790 loslegen.

Dschungel mit Struktur

Im „Botánico“ wachsen die Pflanzen wild durcheinander. Jedoch nur auf den ersten Blick erscheint dies so. Denn der künstliche Dschungel folgt einer klaren Ordnung – der Symmetrie.

Zwei Hauptachsen bestimmen die Architektur. Eine führt vom Eingang im Westen zum Ostende des Gartens.

Hier erwartet die Gäste – einige Stufen über dem Gartenniveau – ein Wasserbassin, das einen schönen Blick auf den „Jardín“ bietet.

Exakt in der Mitte kreuzt die Nord-Süd-Achse. Die Kreuzung bildet eine Art „Plaza Mayor“, einen großen Platz, der mit Rondell und Teich zum Verweilen und Träumen einlädt.

Entlang der Hauptachsen sind die Pflanzareale rechteckig angelegt. Dazwischen führen uns schmale Wege durch den Dschungel.

Berühmte Gäste

Der Garten besitzt definitiv eine starke poetische Kraft. So empfand es wohl auch der französische Surrealist André Breton, der sich in den 1930er Jahren bei einem Spaziergang zu einem Gedicht inspirieren ließ.

Wir waren nur zu Besuch. Wie etwa 400.000 Gartenfreunde, die den Jardín jedes Jahr für sich entdecken. Er ist ein Publikumsmagnet und gilt als eine der Top-Sehenswürdigkeiten der Insel.

Schon kurz nach Gründung des „Botánico“ erkundeten die ersten bekannten Naturforscher Insel und Garten. Der prominenteste unter ihnen: Alexander von Humboldt. Er kam nach Teneriffa, um den Vulkan Teide zu besteigen. Die Gelegenheit nutzte der neugierige Mann für eine Visite. Sogar das Datum seines Besuchs ist dokumentiert: Es war 20. Juni 1799.

Humboldt schrieb nach dem Besuch Lobendes: „Die Anlage eines botanischen Gartens auf Teneriffa ist ein sehr glücklicher Gedanke, da derselbe sowohl für die wissenschaftliche Botanik als für die Einführung nützlicher Gewächse in Europa sehr förderlich werden kann. Die erste Idee eines solchen verdankt man dem Marquis von Villanueva del Prado, der von seinem Vermögen den edelsten Gebrauch gemacht hat.“

Fazit

Der „Botánico“ ist ein Muss für Gartenfreunde! Und auch für Menschen, die im Trubel der Hafenstadt Puerto de la Cruz einen Ort der Ruhe schätzen. Nicht nur die Gartenfreundin in mir vergibt 5 Sterne!

Info

Adresse: Calle Retama, 4-2, 38400 Puerto de la Cruz, Santa Cruz de Tenerife
Öffnungszeiten: täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt: 3 Euro pro Person
Info: Jardín de Aclimatación de la Orotava


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.