Paduas Schätze

Top-Sehenswürdigkeiten – fast noch ein Geheimtipp!

Die Sixtina des Nordens, die Lehrkanzel Galileo Galileis, eine der außergewöhnlichsten architektonischen Schöpfungen der Früh-Renaissance, der älteste botanische Universitätsgarten der Welt, UNESCO-Welterbestätten, etliche Museen und Galerien – das idyllische Padua hat viel Kultur zu bieten. Wir haben ein paar der Highlights besucht.

Cappella degli Scrovegni

Klein, bescheiden, schmucklos – so steht sie in einem kleinen Park am nördlichen Rand der Altstadt. Hätten wir nicht gelesen, welchen Schatz die Kapelle der Scrovegni in ihrem Inneren besitzt, wir wären achtlos vorbei gelaufen.

Sie gilt als Sixtina des Nordens und als DAS Meisterwerk der Vor-Renaissance: Giotto di Bondone stattete die Kapelle mit einer vielteiligen Bildergeschichte aus. Die farbintensiven Fresken erzählen vom Leben und Sterben Jesu Christi sowie aus dem Leben der Heiligen Anna und des Heiligen Joachim. Eine biblische Graphic Novel des 14. Jahrhunderts.

Heute steht die Kapelle als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO. Diese „Karriere“ konnte sich Enrico di Rinaldo Scrovegni natürlich nicht vorstellen, als er um 1300 das Grundstück erwarb. Ein Denkmal wollte er sich ganz gewiss setzen: Der reiche Bankier und Patrizier stiftete die Kapelle und beauftragte Giotto mit der Gestaltung. Der Maler war damals Mitte Dreißig, genoss bereits einen ausgezeichneten Ruf und gilt heute als Wegbereiter der Renaissance-Malerei.

Kopf in den Nacken und wir blicken in einen leuchtend blauen Sternenhimmel. In vielen Kulturen steht die Farbe Blau für das Göttliche. Zu Giottos Zeiten war die Herstellung ein komplizierter Prozess und die Farbe entsprechend kostbar. In der Scrovegni-Kapelle ist sie geradezu verschwenderisch eingesetzt.

Eine Szene zeigt die Anbetung des neugeborenen Jesus durch die Heiligen Drei Könige. Über dem Dach des Verschlags gut erkennbar ist der Komet am Himmel. Experten sagen, dass dieses Fresko eine der ersten Darstellungen Halleyschen Kometen sei, den die Menschen im Jahr 1301 mit dem bloßen Auge beobachten konnten.

Tipp: Der Zugang zur Kapelle ist streng limitiert, um die wertvollen Fresken nicht über Gebühr zu belasten. Deshalb gibt es Tickets nur im Voraus. Wir haben online am Vortag unseres Besuchs gebucht.

Museo Archeologico

Der Weg zur Scrovegni-Kapelle führt uns durch das archäologische Museum. Ein cleverer Schachzug – denn so werden wir Besucher elegant auf die Geschichte der Stadt gestupst.

Padua ist eine der ältesten Städte Italiens. Bereits um 1200 vor Christus lebten hier Menschen. Das archäologische Museum erzählt, wie sich die Stadt in der Antike entwickelte.

In 14 Räumen sind wertvolle Exponate ausgestellt, die die Geschichte der Region bis zur Römerzeit dokumentieren. Patavium, wie Padua auf Lateinisch hieß, war eine wichtige und reiche Handelsstadt.

Mich persönlich faszinieren besonders die römischen Gläser. Welch ein Wunder, dass die zarten Gefäße die Jahrhunderte überdauert haben!

Palazzo della Ragione

Der Palazzo mitten im Zentrum, zwischen Piazza della Fruta und Piazza delle Erbe gelegen, ist eines der Wahrzeichen Paduas und ein ausgesprochen vielseitiges Gebäude: Hier wurde in früheren Jahrhunderten Recht gesprochen, hier tagte der Rat – und hier wurden die Gäste der Stadt empfangen. Daher der Spitzname Il Salone.

Diese Funktion des Palazzo della Ragione ist bis heute erhalten: der Markt.

Ob Käse, Schinken, Gemüse, Fleisch und Fisch oder Pasten, Gewürze, feine Essige und Öle – hier decken sich die genussfreudigen Paduaner mit ihrem „Stoff“ ein.

Im Parterre herrscht Markttreiben, in der ersten Etage empfängt uns die vornehme Strenge der Galerie.

Der Palazzo gilt als einer der wichtigsten Profanbauten der frühen Renaissance.

Der frühere Ratssaal ist gewaltige 82 Meter lang, fast 30 Meter breit und 25 Meter hoch. Wie ein umgekehrter Schiffsrumpf überspannt das Holzgewölbe den Salone. Die gewagte Konstruktion hält bis zum heutigen Tag – eine architektonische Meisterleitung!

Im 15. Jahrhundert ließen die Stadtväter Il Salone mit üppigen Fresken ausstatten.

Mehr als 100 Einzelbilder sollen es sein – nachgezählt haben wir allerdings nicht – , die vom Alltag der Menschen erzählen, vom Lauf des Jahres und der Sterne, vom religiösen Leben. Eine sehenswerte Stadt-Chronik in Bildern.

Orto Botanico 1545

Auf ins Grüne, in den ältesten und ersten botanischen Universitätsgarten der Welt: 1545 wurde der Orto Botanico angelegt und bis heute steht er „für die Geburtsstunde der botanischen Wissenschaft, des wissenschaftlichen Austauschs und des Verständnisses für die Beziehung zwischen Natur und Kultur“ – so die UNESCO in ihrer Begründung, als sie den Garten 1997 in die Liste der Weltkulturerbe aufnahm.

Im Hintergrund sind die Türme und Kuppeln der Basilica di Sant’Antonio zu erkennen – der Garten liegt zentral am Rand der Altstadt. Eine grüne Oase, deren Anlage und Struktur unverändert sind – wie der Vergleich zwischen heute und damals zeigt.

Quelle: aus „L’Orto botanico di Padova nell‘ anno 1842“ by Roberto De Visiani (1842) via Wikimedia Commons

Ein Platz, um inne zu halten, um zu bummeln – vor allem jedoch, um zu lernen und zu forschen: Studierende der Biologie und der Pharmazie werden hier ausgebildet.

Mehr als 6.000 Pflanzen und etwa 3.500 Arten sollen hier versammelt sein, ist zu lesen. Ach, dass es so viele grüne und blühende Orto-„Bewohner“ gibt, das hätten wir bei unserem Rundgang nicht gedacht.

Im Vergleich zu den großen botanischen Gärten, wie etwa in Berlin, wirkt der Paduaner Orto recht klein, unspektakulär, an manchen Ecken sogar ein bisschen „zottelig“ – als müssten die Gärtner mal wieder Hand anlegen.

1585 war das mal eine Baby-Zwergpalme, längst ist aus dem Pälmchen ein mehrere Meter hoher Baum geworden – die älteste Pflanze des Gartens. Und die prominenteste, denn Johann Wolfgang von Goethe erwähnte sie in seiner Abhandlung über „Die Geschichte meines botanischen Studiums„. Eine Erinnerung an seine Italienreise, die ihn 1786 auch nach Padua führte!

Der Garten besitzt verschiedene Sammlungen: Heil- und Giftpflanzen, Fleischfressende, Orchideen, mediterrane Gewächse und Wasserpflanzen.

Besonders beeindruckend sind die riesigen Blätter der Seerosen …

… und diese schönen Blüten.

Fazit

Wir hatten nur knapp zwei Tage für Padua. Eindeutig zu wenig! Diese schöne und interessante Stadt verdient mehr Aufmerksamkeit!

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